Frühschicht um 6 am 20. März 2020 - zuFRIEDEN teilen

Diesmal ganz anders - als Video auf Youtube, aufgenommen in der Laurentiuskirche, und zum Mitlesen

Ein herzliches Willkommen, diesmal ganz anders!

Wir treten vor Gott und bitten ihn um sein Erbarmen.
 
Gott hat keine Ohren. Aber wir. Um zu hören die Hilferufe und die Bitten derer, die sich nach Gerechtigkeit und Frieden und einem Leben unter menschenwürdigen Verhältnissen sehnen. Wir bitten um Gottes Erbarmen

Gott hat keine Augen. Aber wir. Um zu sehen die Not und das Elend derer, die nie erfahren haben, was es heißt, satt zu sein, und für die Leben nicht mehr ist als Überleben. Wir bitten um Gottes Erbarmen

Gott hat keine Ohren, keine Augen, keine Hände. Gott hat nur uns. Unsere Ohren, unsere Augen, unsere Hände.

Mit allem, was wir für die ärmsten unserer Schwestern und Brüder tun, loben wir Gott. Amen.

 

Ein russisches Märchen

Ein Rabbi kommt zu Gott: „Herr, ich möchte die Hölle sehen und auch den Himmel.“ - „Nimm Elia als Führer“, spricht der Schöpfer, „er wird dir beides zeigen.“ Der Prophet nimmt den Rabbi bei der Hand.
Er führt ihn in einen großen Raum. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf Aber die Menschen sehen mager aus, blass, elend. Kein Wunder: Ihre Löffel sind zu lang. Sie können sie nicht zum Munde führen. Das herrliche Essen ist nicht zu genießen.

Die beiden gehen hinaus: „Welch seltsamer Raum war das?“ fragt der Rabbi den Propheten. „Die Hölle“, lautet die Antwort.

Sie betreten einen zweiten Raum. Alles genau wie im ersten. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf.

Aber - ein Unterschied zu dem ersten Raum: Diese Menschen sehen gesund aus, gut genährt, glücklich. „Wie kommt das?“ Der Rabbi schaut genau hin. Da sieht er den Grund: Diese Menschen schieben sich die Löffel gegenseitig in den Mund. Sie geben einander zu essen.

Da weiß der Rabbi, wo er ist.

Wo erleben wir hier den Himmel auf Erden und wo machen wir und andere uns das Leben schwer? Wo achten wir die Bedürfnisse der Anderen und wie können wir das – gerade jetzt – noch besser gestalten? Mit diesen Fragen gehen wir in die Stille.

 

Lied

Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt und die Not, die wir lindern, zur Freude wird, dann
(Refrain) hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt, ja dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.

Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt, dann
(Refrain) hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt, ja dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.

Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird, dann
(Refrain) hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt, ja dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.

 

Gebet

Deine Barmherzigkeit, Gott, hat kein Ende. Du schenkst sie uns jeden Tag neu. Lass uns daher selbst barmherzig sein.

Wir bitten dich, Gott, um Barmherzigkeit

Für die Stillen im Lande, für die, die sich nicht trauen ihren Mund aufzumachen und für ihre Rechte zu kämpfen; für die, die den Kürzeren ziehen, weil sie immer nachgeben, anstatt zu fordern, was ihnen zusteht, und weil niemand sie ernst nimmt.

Wir bitten dich um Barmherzigkeit für die Überforderten, für die, denen alles zu schnell geht, für die die Zeit stehen bleibt, die nicht mehr mitkommen und die auch nicht mehr mitgenommen werden, die von den Lasten des Alltags niedergedrückt werden, weil sie alt oder krank sind und die Forderungen der Gesellschaft nicht mehr erfüllen können.

Wir bitten dich um Barmherzigkeit für die Bedrohten, für die, die sich nach Ruhe und Frieden sehnen, die Angst haben um ihr Leben und um das Leben ihrer Angehörigen, die von Land zu Land fliehen und vergeblich nach einem Ort suchen, an dem sie sich geborgen und zuhause fühlen können, weil niemand sie haben will.

Wir bitten um Barmherzigkeit für die Enttäuschten, für die, deren Träume zerplatzt sind und deren Wünsche sich nie erfüllt haben; für die, die sich immer wieder etwas vornehmen und jedes Mal wieder scheitern; für die, die an nichts und niemanden mehr glauben können – an sich selbst nicht, an ihre Mitmenschen nicht und auch an dich nicht, Gott.

Wir bitten dich um Barmherzigkeit für uns, die wir heute noch nicht wissen, was der Tag uns bringt, die wir angewiesen sind auf dich, und dir vertrauen in dem, was wir tun.

Sei und bleibe bei uns – heute und morgen und an allen Tagen unseres Lebens.

Wir beten mit den Worten, die uns Jesus schenkte

Vater Unser...

 

Lied

Du siehst die Wege, die wir gehen. Was uns bewegt, hast du erkannt. Auch wenn wir selbst uns nicht verstehen, hältst du uns fest in deiner Hand. Refrain: Bleib bei uns, bleib bei uns, bei Tag und Nacht. Bleib bei uns, bleib bei uns, hab auf uns Acht.

Du siehst, was wir nicht mehr durchschauen. Auch wenn der Sturm sich noch nicht legt, bist du die Kraft, der wir vertrauen, bist du die Liebe, die uns trägt. Refrain: Bleib bei uns, bleib bei uns, bei Tag und Nacht. Bleib bei uns, bleib bei uns, hab auf uns Acht.

Du bist der Geist, der uns beflügelt, das Feuer, das uns neu entfacht. Du liebst das Leben ungezügelt. Und wir vertraun auf deine Macht. Refrain: Bleib bei uns, bleib bei uns, bei Tag und Nacht. Bleib bei uns, bleib bei uns, hab auf uns Acht.

Ihr Pfarrer Rainer Wilmer