Nachrichten aus der Gemeinde

Wofür brennt eigentlich mein Herz?

Aus dem Presbyterium

Wofür brennt eigentlich mein  Herz? Eine Frage, der wir im Presbyterium immer wieder versuchen nachzuspüren. Denn bei all dem, was wir tun und machen, bei allem, was wir manchmal auch lassen und loslassen müssen, will ich doch mit dem Herzen bei der Sache bleiben. Wofür brennt mein Herz?  Eine spannende Frage, zumal das „Herz“ im biblischen Sinn mehr ist als der Sitz der Gefühle und Empfindungen. Im Herzen sitzen die Gedanken und da ist auch der Verstand verortet. Alles darüber hinaus, was ich vor allem fühle, geht mir biblisch betrachtet eher „an die Nieren“!

Gut zu wissen, denn bei den weitreichenden Entscheidungen, mit denen wir zu tun haben, muss  ich spüren und aussprechen können, was mir wichtig ist, wo mein Herz brennt, wo ich am liebsten Hand anlegen möchte, aber auch, wo mein Herz weint, wo es weh tut.

Oft sind es die alltäglichen Dinge, die schmerzen. Die Homepage unserer Gemeinde ist derzeit auch eine Baustelle und verdient fast so viel Aufmerksamkeit wie die Baustelle um die Laurentiuskirche oder die, welche sich demnächst an der Versöhnungskirche auftut. Meinen Dank möchte ich an dieser Stelle ganz besonders Rainer Alexander aussprechen. Er hat über Jahre immer wieder versucht, auch auf dieser Baustelle tätig zu bleiben, allerdings stand er damit die letzten fünf Jahre ziemlich alleine da. Und er hat gespürt, dass sein Herz jetzt ganz stark für die Laurentiuskirche brennt. Also sortieren wir unsere inhaltlichen Vorgaben als Gemeinde für die digitale Baustelle jetzt in einer kleinen Gruppe und werden sie technisch neu umsetzen. So, dass dann viel mehr Leute mit hoffentlich weniger Aufwand immer mal wieder da Hand anlegen können.

Wir haben die Gottesdienstlandschaft weiter im Blick und beobachten mit Sorge, dass an manchen Sonntagen zahlenmäßig alle Gottesdienstbesucher zusammen gut in einer Kirche Platz finden könnten und möchten doch nicht diejenigen vor den Kopf stoßen, die in „ihrer Kirche“ eine Heimat für ihren Glauben finden und dort regelmäßig die Begegnung mit Gott suchen. Auf der anderen Seite dürfen wir uns  freuen, wenn den Einladungen zu gemeinsamen und zu besonderen Gottesdiensten in großer Zahl gefolgt wird. Einerseits ist die Sehnsucht da und das Vermögen, wunderbare besondere Gottesdienste groß zu feiern, andererseits sind wir berufen und verpflichtet, das Angebot in der Fläche aufrecht zu erhalten, die den Kontakt zu unserer Basis oft erst ermöglichen und den wir deshalb auch gerne pflegen.

Das biblische Bild der Gemeinde als Leib mit vielen und durchaus verschiedenen Gliedern mahnt mich als Pfarrerin und uns als Presbyterium auch daran zu denken, dass ein lebendiger Leib immer wieder Momente und Zeiten der Ruhe braucht. Der sonntägliche Gottesdienst erfüllt genau diese Aufgabe, die Kirchen sind Räume, in die ich mich zurückziehen kann, wo ich Schutz finde und Ruhe. Wenn ich darin aber nur noch hin- und her eile, um allen möglichen Ansprüchen, Wünschen und Sehnsüchten gerecht zu werden, verliere ich unter Umständen mehr als ich gewinnen kann. In jedem Fall aber den Überblick und die Gelassenheit, die ich brauche, um wirklich noch meinen Herzschlag zu spüren.

„Ich will euch ein neues Herz geben und euer Inneres mit neuer Geistkraft erfüllen. Das steinerne Herz will ich aus eurem Körper herausnehmen und euch ein fleischernes Herz geben“. Die Jahreslosung 2017 gefällt mir in der etwas sperrigen „Übersetzung in gerechter Sprache“ wegen des schönen Wortes „Geistkraft“. Ich schöpfe viel Kraft aus dem Geist Gottes, aus biblischen Geschichten und Gedanken, die mir immer wieder begegnen und deren Strahlkraft bis in unsere Zeiten reichen, das glaube ich, dafür brennt mein Herz. Und so durfte ich zuletzt mit besonderer Freude die neuen Altarbibeln für den Gebrauch im Gottesdienst aufschlagen. Sie sind weit mehr ein Stück Dekoration, sie sind ein Geschenk von Präses Kurschus für alle Kirchen und Gottesdienststätten. Danke an dieser Stelle für Gottes Wort und dafür, dass es lebendig bleibt. Ich fand einen schönen Gedanken von Martin Luther dazu: „Gottes Wort ist ein Lebe- und kein Lesewort!“ Es lebe die Reformation.

Im nächsten Gemeindebrief begrüßt Sie an dieser Stelle Pfarrer Flömer, der zum 1. April den Vorsitz übernimmt. Ich wünsche ihm alles Gute und werde hoffentlich weiterhin gut mit ihm und mit Ihnen allen zusammen arbeiten,

Ihre Pastorin Silke Reinmuth